Die Wolfsburger Lupe ist die zentrale Plattform für Bildungs-, Freizeit- und Beratungsangebote in Wolfsburg. Sie bringt Angebote großer Institutionen, kommunaler Einrichtungen, Bildungsträger, Vereine und kleiner lokaler Initiativen in einem gemeinsamen digitalen System zusammen.
Das Projekt wurde vom Strategischen Bildungsmanagement der Stadt Wolfsburg initiiert und gemeinsam mit Bürgern, Anbietern und weiteren Stakeholdern entwickelt. Ziel war nicht nur eine bessere Suche, sondern ein niedrigschwelliger Zugang zu Bildung, Beratung und gesellschaftlicher Teilhabe – unabhängig von Bildungshintergrund, Sprachkompetenz oder digitaler Erfahrung.
Als bislang umfangreichstes Projekt in meinem Portfolio umfasste die Entwicklung eine breit angelegte Research- und Partizipationsphase, die strategische Produktkonzeption, Informationsarchitektur, Prototyping und wiederholte Usability Tests. Seit dem Launch wird die Plattform kontinuierlich um neue Inhalte, Funktionen und Nutzungsmöglichkeiten erweitert.
Onlinebefragung, Tiefeninterviews, Workshops und Stakeholder-management
Personas, User Journeys, Mental Models und Informationsarchitektur
Konzeption und Moderation eines ganztägigen Design-Thinking-Workshops
Prototyping, Designsystem, WCAG 2.1 AA und mehrsprachige Nutzung
Wolfsburg verfügt über eine große und heterogene Landschaft aus Bildungs-, Beratungs- und Freizeitangeboten. Diese Vielfalt ist eine Stärke, erschwert aber gleichzeitig die Orientierung: Angebote werden von zahlreichen öffentlichen, gemeinnützigen und privaten Akteuren bereitgestellt und über unterschiedliche Kanäle kommuniziert. Für Bürger war es dadurch schwierig, einen vollständigen Überblick zu erhalten und Angebote zu finden, die tatsächlich zu ihrer Lebenssituation, ihrem Wohnort, ihrem Alter oder ihren zeitlichen Möglichkeiten passen. Besonders Menschen mit geringer Recherchekompetenz, wenig digitaler Erfahrung oder begrenzten Deutschkenntnissen drohten von vorhandenen Möglichkeiten ausgeschlossen zu bleiben.
Die zentrale Herausforderung bestand darin, diese Vielfalt in ein gemeinsames, verständliches System zu überführen, ohne sie durch eine zu grobe Struktur zu vereinfachen. Große und bekannte Institutionen wie die Autostadt sollten ebenso sichtbar sein wie Sportvereine, Beratungsstellen, Bildungsträger und kleine lokale Initiativen. Gleichzeitig musste die Plattform unterschiedliche Perspektiven miteinander verbinden: Bürger suchen möglichst schnell ein passendes Angebot, Anbieter möchten ihre Leistungen sichtbar und eigenständig präsentieren, und das Strategische Bildungsmanagement benötigt eine verlässliche Infrastruktur, um die Wolfsburger Bildungslandschaft transparent und zugänglich weiterzuentwickeln. Gefragt war deshalb kein statischer Katalog, sondern eine skalierbare Plattform, die mit neuen Angeboten, Themenbereichen und Anforderungen wachsen kann.
Die Wolfsburger Lupe wurde mit einer umfangreichen Research- und Partizipationsphase entwickelt. Ziel war es, die unterschiedlichen Bedürfnisse der Bevölkerung, der Anbieter und des Strategischen Bildungsmanagements nicht nur zu sammeln, sondern in ein gemeinsames, langfristig tragfähiges Produktkonzept zu übersetzen.
In einer stadtweiten Onlinebefragung wurden Wünsche, Suchgewohnheiten und Anforderungen der Wolfsburger Bevölkerung untersucht. Rund 600 Rückmeldungen schufen eine breite quantitative Grundlage und zeigten, welche Informationen benötigt werden und an welchen Stellen der bisherige Zugang zu Angeboten scheiterte.
Ergänzend führte ich Interviews mit unterschiedlichen Anbietern – darunter Bildungsträger, Sportvereine, soziale Einrichtungen und Kreative. Dadurch wurden neben den Bedürfnissen der Nutzer auch redaktionelle Prozesse, organisatorische Rahmenbedingungen und die Anforderungen kleinerer Akteure sichtbar.
Ich konzipierte und moderierte einen ganztägigen digitalen Design-Thinking-Workshop mit 15 Teilnehmern aus unterschiedlichen Bereichen. Gemeinsam wurden Erkenntnisse gebündelt, Herausforderungen priorisiert und erste Lösungsansätze entwickelt. Der Workshop schuf ein gemeinsames Verständnis über Ziele, Zielgruppen und Qualitätskriterien und machte unterschiedliche Interessen frühzeitig verhandelbar.
Die Ergebnisse wurden in Personas, User Journeys und Mental Models überführt. So konnten umfangreiche Research-Ergebnisse verständlich kommuniziert und als Grundlage für strategische Produktentscheidungen genutzt werden. Es entstand eine Informationsarchitektur, die sich an konkreten Nutzungssituationen statt an den Zuständigkeiten einzelner Einrichtungen orientiert. Kategorien, Filter, Kartenansichten und Suchwege wurden so konzipiert, dass Nutzer sowohl gezielt suchen als auch bislang unbekannte Angebote entdecken können.
Vom ersten Wireframe bis zum interaktiven High-Fidelity-Prototyp wurden die Konzepte iterativ in Figma entwickelt. Mehrere moderierte Usability Tests mit der Thinking-Aloud-Methode zeigten, wie verständlich Kategorien, Navigation, Filter und Angebotsseiten tatsächlich waren. Die Ergebnisse flossen direkt in die weitere Konzeption ein. So wurden Entscheidungen nicht allein anhand interner Annahmen getroffen, sondern wiederholt mit den späteren Nutzern überprüft.
Die Wolfsburger Lupe bündelt Bildungs-, Beratungs- und Freizeitangebote in einer zentralen, responsiven Webplattform und App. Nutzer können Angebote über Suchbegriffe, Kategorien, Stadtteile, Zielgruppen, Termine und weitere Merkmale gezielt eingrenzen. Listen- und Kartenansichten unterstützen unterschiedliche Suchstrategien. Anbieterprofile, Veranstaltungsorte, Merklisten und Ratgeber verbinden konkrete Angebote mit weiterführender Orientierung für unterschiedliche Lebenssituationen. Die Plattform wurde nach WCAG 2.1 bis einschließlich Level AA barrierefrei entwickelt und kann Inhalte dynamisch in bis zu zehn Sprachen übersetzen. Damit wird der Zugang nicht nur organisatorisch, sondern auch sprachlich und technisch erleichtert.
Der Wert umfangreicher Research-Arbeit entsteht nicht durch die Anzahl der eingesetzten Methoden. Entscheidend ist, unterschiedliche qualitative und quantitative Erkenntnisse so zusammenzuführen, dass daraus nachvollziehbare Prioritäten und konkrete Produktentscheidungen entstehen.
Bei großen öffentlichen Projekten treffen fachliche, politische, organisatorische und gesellschaftliche Perspektiven aufeinander. Gute Moderation schafft einen Rahmen, in dem diese Interessen sichtbar werden und in ein gemeinsames Produktziel übersetzt werden können.
Eine breite Beteiligung erzeugt viele Erwartungen, die nicht gleichzeitig erfüllt werden können. Transparente Entscheidungsgrundlagen, klare Prioritäten und eine kontinuierliche Kommunikation sind deshalb entscheidend, um Vertrauen zu schaffen und die strategische Richtung des Produkts zu sichern.
Kommunale Plattformen verändern sich mit ihrer Stadt. Informationsarchitektur, Designsystem und technische Struktur müssen deshalb nicht nur für den Launch funktionieren, sondern auch neue Inhalte, Zielgruppen und Funktionen aufnehmen können, ohne an Konsistenz zu verlieren.